Einkommen und Familie

Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Redaktion Agentur RaimondiAnsprechpartner: Antonio Raimondi, Allianz Generalvertreter

  • Stand: November 2026
  • 4 Minuten Lesezeit
  • 3 Quellen

Kurz gesagt

Einen festen Preis gibt es nicht. Der Beitrag hängt vor allem von Eintrittsalter, Beruf, Gesundheit, versicherter Rente und Laufzeit ab und unterscheidet sich zudem stark zwischen den Anbietern. Die Verbraucherzentrale nennt für einen 30-jährigen kaufmännischen Angestellten rund 50 bis über 100 Euro im Monat für 1.000 Euro Rente bis 67. Ihr Beitrag kann deutlich abweichen.

Wie viel kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Das lässt sich nur für Ihren Einzelfall beantworten, denn der Beitrag wird individuell berechnet. Als Größenordnung nennt die Verbraucherzentrale ein Beispiel: Ein 30-jähriger kaufmännischer Angestellter zahlt bei einem günstigen Anbieter rund 50 Euro im Monat für 1.000 Euro Rente bis zum Alter von 67 Jahren, bei einem teuren über 100 Euro. Für einen Dachdecker, der mit 20 Jahren abschließt, nennt sie bei einer Laufzeit bis 65 rund 100 bis über 200 Euro.

Diese Zahlen sind Beispiele der Verbraucherzentrale und keine Angebote. Sie zeigen aber zweierlei: Der Beruf kann den Preis stark verändern, und zwischen den Anbietern können bei ähnlicher Leistung große Unterschiede liegen. Ein einzelnes Angebot sagt deshalb wenig aus.

Welche Faktoren bestimmen den Beitrag?

Den Beitrag bestimmen vor allem fünf Faktoren. Auf einige davon haben Sie direkten Einfluss:

  • Eintrittsalter: Je früher Sie abschließen, desto niedriger ist der Beitrag in der Regel, und desto seltener gibt es bis dahin Vorerkrankungen.
  • Beruf: Körperlich riskante Tätigkeiten führen meist zu einer ungünstigeren Einstufung. Auch die Einstufung selbst unterscheidet sich zwischen den Gesellschaften.
  • Gesundheit und Hobbys: Vorerkrankungen und riskante Freizeitbeschäftigungen können den Beitrag erhöhen oder die Annahme erschweren.
  • Rentenhöhe: Je höher die vereinbarte monatliche Rente, desto höher ist der Beitrag.
  • Laufzeit: Je länger der Schutz läuft, desto teurer wird er. Das spätere Alter ist für den Versicherer das risikoreichere.

Wie hoch sollte die Rente sein, und wie lange sollte der Vertrag laufen?

Die Rente sollte Ihre laufenden Kosten decken. Die Verbraucherzentrale nennt als Richtwert etwa 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens. Rechnen Sie selbst nach: Miete oder Kreditrate, Lebenshaltung, Krankenversicherung und die eigene Altersvorsorge müssen davon bezahlbar bleiben. Denken Sie auch daran, dass die Rente grundsätzlich steuerpflichtig sein kann.

Bei der Laufzeit empfiehlt die Verbraucherzentrale möglichst das 67. Lebensjahr. Einen Vertrag, der viele Jahre vor dem Rentenalter endet, sollten Sie vorsichtig bewerten. Der Schutz fehlt dann, wenn das Risiko am höchsten ist. Später können Sie einen Vertrag kürzen oder kündigen, eine Verlängerung ist dagegen schwieriger. Niedrigere Beiträge durch eine kurze Laufzeit oder eine kleine Rente sind deshalb oft ein schlechter Tausch.

Warum sind die Gesundheitsfragen so wichtig?

Die Gesundheitsfragen entscheiden darüber, ob und zu welchem Preis Sie versichert werden, und später darüber, ob der Schutz hält. Sie müssen die in Textform gestellten Fragen vollständig und richtig beantworten (§ 19 VVG). Falsche oder fehlende Angaben können dazu führen, dass der Versicherer vom Vertrag zurücktritt, gerade dann, wenn Sie die Leistung brauchen.

Bei Vorerkrankungen kann der Versicherer einen Risikozuschlag verlangen, bestimmte Leiden ausschließen oder den Antrag ablehnen. Da die Gesellschaften Vorerkrankungen unterschiedlich bewerten, empfiehlt die Verbraucherzentrale in solchen Fällen eine anonyme Risikovoranfrage. So erfahren Sie die Einschätzung, bevor Sie einen Antrag stellen.

Fordern Sie vor dem Antrag Ihre Patientenakte oder eine Auskunft Ihrer Krankenkasse an, wenn Sie unsicher sind. Das kostet Zeit, schützt Sie aber vor Fehlern.

Wie erkennen Sie den tatsächlichen Preis eines Angebots?

Der tatsächliche Preis zeigt sich erst, wenn Sie Zahlbeitrag und Bruttobeitrag unterscheiden. Viele Angebote nennen einen niedrigeren Zahlbeitrag, der durch Überschüsse verringert wird. Überschüsse sind aber nicht garantiert. Sinken sie, kann der Beitrag bis zum vereinbarten Bruttobeitrag steigen. Vergleichen Sie daher beide Werte.

Achten Sie auch auf Starterpolicen. Sie sind am Anfang günstiger, kosten danach aber mehr und sind laut Verbraucherzentrale über die gesamte Laufzeit teurer. Eine Kopplung mit einer Kapitallebensversicherung ist nach ihrer Einschätzung meist zu teuer und selten sinnvoll.

Prüfen Sie außerdem, wie der Vertrag mit Ihrem Leben wächst. Eine Nachversicherungsgarantie erlaubt es, die Rente bei Ereignissen wie Heirat, Geburt oder Hauskauf ohne neue Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Eine Dynamik gleicht steigende Preise aus, erhöht aber auch den Beitrag.

Was tun, wenn der Beitrag zu hoch ist?

Wenn der Beitrag zu hoch ist, ändern Sie zuerst die Stellgrößen, bevor Sie ganz verzichten. Eine etwas niedrigere Rente mit Nachversicherungsgarantie kann ein vernünftiger Einstieg sein. Vergleichen Sie auch mehrere Angebote, denn die Unterschiede sind groß.

Gehen Sie mit Alternativen vorsichtig um. Eine Unfallversicherung deckt nur Unfälle ab, während Berufsunfähigkeit meist durch Krankheit entsteht. Eine Grundfähigkeitsversicherung kann eine Lösung sein, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht möglich oder bezahlbar ist. Sie leistet aber nur beim Verlust bestimmter Fähigkeiten, und psychische Erkrankungen sind in vielen Tarifen nicht oder kaum abgesichert.

Was die Absicherung genau leistet, lesen Sie auf unserer Seite zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Wie sie zu den übrigen Risiken passt, erklärt der Beitrag Welche Versicherungen braucht man wirklich?.

Häufige Fragen

Lohnt sich eine BU schon in jungen Jahren?

Oft ja, wenn Sie von Ihrem Einkommen abhängig sind oder bald sein werden. Der Beitrag ist in der Regel niedriger und die Gesundheitsfragen sind leichter zu beantworten. Prüfen Sie die Berufseinstufung und ob sich der Schutz später erhöhen lässt.

Kann ich den Vertrag bei Geldproblemen beenden oder pausieren?

Kündigen können Sie grundsätzlich. Ein späterer Neuabschluss erfordert aber neue Gesundheitsfragen. Fragen Sie vorher nach Stundung oder Beitragspause, soweit Ihr Vertrag diese vorsieht.

Zählt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nicht auch?

Sie kann helfen, reicht aber meist nicht zum Leben und hat strengere Voraussetzungen. Den Wert Ihres Anspruchs finden Sie in der Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung.