Einkommen und Familie

Welche Versicherungen braucht man wirklich?

Redaktion Agentur RaimondiAnsprechpartner: Antonio Raimondi, Allianz Generalvertreter

  • Stand: November 2026
  • 3 Minuten Lesezeit
  • 3 Quellen

Kurz gesagt

Wirklich nötig sind vor allem Versicherungen gegen Schäden, die Sie finanziell nicht selbst tragen könnten. Dazu zählen die Krankenversicherung, die Privathaftpflicht und für Berufstätige meist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Je nach Lage kommen Kfz-Haftpflicht, Wohngebäudeversicherung und Risikolebensversicherung hinzu. Kleine, bezahlbare Schäden müssen Sie dagegen meist nicht versichern.

Nach welchem Grundsatz sollten Sie entscheiden?

Versichern Sie zuerst, was Sie finanziell ruinieren könnte, und erst danach das Ärgerliche. Dieser Grundsatz ist einfacher als jede Liste. Die Verbraucherzentrale Hamburg fasst ihn so zusammen: Schäden, die Sie aus eigener Tasche regulieren können, brauchen Sie nicht zu versichern.

Fragen Sie deshalb bei jedem Vertrag: Was passiert ohne diese Versicherung im schlimmsten Fall? Wenn die Antwort lautet, dass Sie ein neues Handy kaufen müssen, ist das unangenehm, aber tragbar. Wenn die Antwort lautet, dass Sie lebenslang Schadenersatz zahlen oder Ihr Einkommen wegfällt, sollten Sie das Risiko absichern.

Die Rangfolge hängt von Ihrer Situation ab. Wer allein lebt und kein Eigentum hat, braucht weniger als eine Familie mit Hauskredit. Eine allgemeine Liste kann daher nur Orientierung geben. Sie ersetzt nicht den Blick auf Ihre eigenen Verträge. Fragen Sie sich auch, wer im Ernstfall einspringen würde: Partner, Familie oder Ersparnisse können ein Risiko mindern, aber selten ganz auffangen.

Welche Versicherungen sind existenziell?

Existenziell sind die Versicherungen, deren Fehlen Sie dauerhaft in finanzielle Not bringen kann. Zwei davon sind gesetzliche Pflicht: Jede Person mit Wohnsitz in Deutschland muss krankenversichert sein (§ 193 Abs. 3 VVG), und ohne Kfz-Haftpflicht lässt sich kein Auto zulassen.

Die übrigen sind freiwillig, aber gerade deshalb leicht zu übersehen:

  • Privathaftpflicht: Sie haften für Schäden, die Sie anderen zufügen, grundsätzlich ohne Obergrenze. Die Privathaftpflicht gilt bei den Verbraucherzentralen als unverzichtbar.
  • Berufsunfähigkeit: Für alle, die von ihrem Arbeitseinkommen leben. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht meist nicht zum Leben.
  • Risikoleben: Wenn Partner, Kinder oder ein Hauskredit von Ihrem Einkommen abhängen. Ohne Angehörige ist sie meist überflüssig.
  • Wohngebäude: Für Eigentümer eines Hauses, denn ein Brandschaden kann das gesamte Vermögen vernichten.

Welche Versicherungen sind je nach Situation sinnvoll?

Sinnvoll sind Versicherungen, die einen spürbaren, aber meist nicht ruinösen Schaden abdecken. Hier entscheidet Ihre Lage, nicht eine pauschale Empfehlung.

Die Hausratversicherung lohnt sich, wenn Sie Ihre Einrichtung nach einem Brand oder Einbruch nicht aus Ersparnissen ersetzen könnten. Wer nur wenige Möbel besitzt, kann das anders sehen. Der Elementarschutz ist für Hauseigentümer eine wichtige Ergänzung, weil Starkregen und Überschwemmung in vielen älteren Verträgen fehlen.

Eine Rechtsschutzversicherung hilft, wenn Sie Streit nicht aus Kostengründen aufgeben möchten. Zusatzversicherungen für Zähne, Krankenhaus oder Pflege schließen Lücken der gesetzlichen Kasse, sind aber eine Frage von Budget und Vorlieben. Eine Auslandskrankenversicherung kostet wenig und deckt Risiken ab, die auf Reisen sehr teuer werden können.

Eine private Unfallversicherung kann ergänzen, ersetzt aber keine Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie zahlt nur nach Unfällen, während Berufsunfähigkeit meist durch Krankheit entsteht.

Welche Versicherungen brauchen viele nicht?

Viele Menschen brauchen keine Versicherung für Dinge, die sie im Notfall selbst ersetzen können. Die Verbraucherzentralen zählen dazu unter anderem diese Policen:

  • Reisegepäckversicherung
  • Glasversicherung
  • Handy- und andere Geräteversicherungen, außer bei extrem teuren Anschaffungen
  • Sterbegeldversicherung, vor allem wenn sich die Kosten auch mit Rücklagen decken lassen
  • Private Arbeitslosenversicherung

Wie sieht die Einordnung auf einen Blick aus?

Die folgende Übersicht ist eine Orientierung und keine persönliche Empfehlung. Sie stützt sich auf die Einordnung der Verbraucherzentralen und auf die Frage, wie groß der mögliche Schaden ist.

LebenslageVorrangigJe nach Situation prüfen
Berufsstart, SingleKrankenversicherung, Privathaftpflicht, BerufsunfähigkeitHausrat, Auslandskranken
Paar ohne KinderWie oben, Risikoleben bei finanzieller AbhängigkeitHausrat, Rechtsschutz
Familie, AlleinerziehendeKrankenversicherung, Privathaftpflicht, Berufsunfähigkeit, RisikolebenHausrat, Kinderinvalidität oder Unfall
EigenheimZusätzlich WohngebäudeElementarschutz, Risikoleben zur Absicherung des Kredits
RuhestandKrankenversicherung, PrivathaftpflichtHausrat, Pflegezusatz, Auslandskranken

Wie prüfen Sie Ihre bestehenden Verträge?

Am besten legen Sie alle Verträge einmal nebeneinander und ordnen sie den drei Gruppen zu. So sehen Sie schnell, ob ein großes Risiko offen ist und ob Sie zugleich für Kleinigkeiten zahlen. Oft passt beides nicht zusammen: Eine Geräteversicherung läuft, die Berufsunfähigkeit ist aber nicht abgesichert.

Prüfen Sie außerdem die Höhe. Eine alte Privathaftpflicht kann niedrige Deckungssummen haben. Eine Hausratversicherung ist nach einem Umzug vielleicht zu knapp, wie unser Beitrag zur richtigen Versicherungssumme zeigt.

Nach großen Veränderungen lohnt sich eine neue Prüfung, etwa bei Heirat, Hauskauf oder Berufswechsel. Was bei Nachwuchs wichtig wird, lesen Sie im Beitrag Versicherungen für Familien. Kündigen Sie einen Vertrag aber erst, wenn der neue Schutz steht, und bedenken Sie, dass Sie bei Berufsunfähigkeit oder Risikoleben nach einer Kündigung erneut Gesundheitsfragen beantworten müssen.

Häufige Fragen

Welche Versicherungen sind in Deutschland Pflicht?

Für alle gilt die Krankenversicherungspflicht. Wer ein Auto zulässt, braucht eine Kfz-Haftpflicht. Je nach Beruf, Bundesland oder Tier können weitere Pflichten bestehen, etwa für bestimmte Hunde.

Brauche ich als Single eine Risikolebensversicherung?

Meist nicht. Sie schützt Menschen, die finanziell von Ihnen abhängen. Ohne solche Angehörige und ohne gemeinsamen Kredit gibt es in der Regel niemanden, den sie absichern müsste.

Ist eine Hausratversicherung Pflicht?

Nein, gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht. Sie lohnt sich, wenn Sie Ihre Einrichtung nach einem Brand oder Einbruch nicht selbst ersetzen könnten.